Banken mit Sitz in der Europäischen Union haben ihre neue Finanzierung für die thermische Kohleindustrie zwischen 2022 und 2025 um 46 Prozent reduziert. Das Volumen sank von 4,8 auf 2,6 Milliarden US-Dollar. Weltweit ist jedoch kein vergleichbarer Rückgang erkennbar: Zusätzliche Geschäfte anderer Institute glichen einen großen Teil der europäischen Kürzungen aus.

EU-Banken ziehen sich stärker zurück

Die Zahlen stammen aus einer Auswertung der Umweltorganisation Urgewald. Sie erfasst Kredite und die Begleitung von Anleiheemissionen für Unternehmen entlang der thermischen Kohle-Wertschöpfungskette. Insgesamt untersuchte die Organisation Geschäfte von 744 Geschäftsbanken.

Für EU-Institute errechnet Urgewald über den Vierjahreszeitraum ein Finanzierungsvolumen von rund 15 Milliarden US-Dollar. Nur zehn der 51 untersuchten europäischen Institute hätten ihre Unterstützung erhöht. Die Organisation führt den Rückgang vor allem auf strengere interne Kohlerichtlinien vieler Banken zurück. Diese Schlussfolgerung beschreibt einen plausiblen Zusammenhang, ist aber kein experimenteller Kausalnachweis. Konjunktur, Kreditnachfrage, Anleihemarkt und einzelne Großtransaktionen können die Jahreswerte ebenfalls beeinflussen. Für belastbare Aussagen zur Wirkung einzelner Richtlinien müssten Institute und Geschäfte über mehrere Jahre vergleichbar untersucht werden.

Auch in Deutschland zeigt sich laut einem Handelsblatt-Bericht ein Rückgang. Neue Kredite und die Beteiligung an Anleiheemissionen sanken demnach von 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 950 Millionen Euro im Jahr 2025. Einzelne Banken können dabei deutlich vom regionalen Trend abweichen.

Global bleibt die Finanzierung hoch

Über alle untersuchten Länder hinweg summiert Urgewald die Kohlefinanzierung für 2022 bis 2025 auf 467 Milliarden US-Dollar. Im Jahresdurchschnitt waren das etwa 117 Milliarden Dollar. Der Gesamtwert bewegte sich damit nach Angaben der Organisation seit der Klimakonferenz von Glasgow weitgehend seitwärts.

Das globale Bild ist stark konzentriert. Laut Handelsblatt stieg die erfasste Finanzierung chinesischer Banken von 69 Milliarden Dollar im Jahr 2022 auf 75 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Bei US-Banken erhöhte sie sich im selben Vergleich von rund 14 auf knapp 17 Milliarden Dollar. Rückgänge in Europa und Teilen Asiens wurden dadurch teilweise aufgehoben.

Von den weltweit erfassten 467 Milliarden Dollar entfiel der größere Teil auf die Organisation von Anleiheemissionen, der Rest auf Kredite. Das ist für die Einordnung wichtig: Eine Bank, die eine Anleihe platziert, stellt nicht zwingend dauerhaft eigenes Kapital bereit. Sie ermöglicht dem Unternehmen aber den Zugang zum Kapitalmarkt und erhält dafür üblicherweise Gebühren.

Was die Daten leisten und was nicht

Urgewald definiert den betrachteten Unternehmenskreis anhand eigener Kriterien. Dazu zählen Kohleförderer und Unternehmen, bei denen Kohle einen relevanten Anteil am Umsatz oder an der Stromerzeugung ausmacht. Die Untersuchung ist damit keine amtliche Bankenstatistik. Ergebnisse hängen von der Abgrenzung des Sektors, der Zuordnung syndizierter Finanzierungen und den verfügbaren Transaktionsdaten ab.

Zudem misst die Studie neue Finanzierungsaktivitäten, nicht die gesamte bestehende Kreditexposition einer Bank. Ein niedrigerer Jahreswert bedeutet deshalb nicht automatisch, dass alle bereits vergebenen Kredite oder gehaltenen Wertpapiere verschwunden sind. Für einen vollständigen Risikoblick wären zusätzlich Bestandsdaten, Laufzeiten, Sicherheiten und die Transformationspläne der finanzierten Unternehmen nötig.

Die europäische Bankenaufsicht schreibt Instituten nicht vor, Kohleunternehmen grundsätzlich auszuschließen. Die EZB erläutert in einem Interview zu Klima- und Naturrisiken, dass Banken rechtlich zulässige Kohlegeschäfte weiter finanzieren dürfen. Sie müssen jedoch Kredit-, Rechts- und Reputationsrisiken angemessen erfassen und steuern.

Ausblick

Für die kommenden Jahre wird entscheidend, ob der europäische Rückgang anhält und ob sich die Finanzierung lediglich zu Banken mit schwächeren Ausschlussregeln verlagert. Aussagekräftig wären stabile Rückgänge über mehrere Jahre sowie mehr Transparenz zu einzelnen Transaktionen. Gleichzeitig wird die Aufsicht prüfen, ob Banken Übergangsrisiken in Kapitalplanung, Kreditprüfung und Stresstests ausreichend berücksichtigen.