Frankreichs öffentliche Verschuldung dürfte trotz eines neuen Konsolidierungsplans weiter steigen. Die Regierung erwartet für Ende 2026 eine Schuldenquote von 119,3 Prozent der Wirtschaftsleistung und für 2027 von 121,7 Prozent. Gleichzeitig wächst die Zinslast. Das macht den Haushalt politisch schwerer verhandelbar und verringert den Spielraum für Investitionen und Krisenmaßnahmen.
Defizit bleibt deutlich über der EU-Marke
Die aktuellen Projektionen stammen aus dem französischen Bericht zur öffentlichen Verschuldung. Die Generaldirektion des Schatzamts rechnet nach 115,7 Prozent Ende 2025 mit einem Anstieg um 3,6 Prozentpunkte im Jahr 2026 und weitere 2,4 Punkte im Jahr 2027.
Hauptgrund ist das weiterhin hohe Haushaltsdefizit. Für 2026 veranschlagt die Regierung 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 2027 soll es auf 5,0 Prozent sinken. Damit läge Frankreich noch deutlich über der europäischen Referenzmarke von drei Prozent. Nach Berechnung des Schatzamts reicht das geplante Defizit nicht aus, um die Schuldenquote zu stabilisieren.
Die Zahlen sind Prognosen und hängen von Wachstum, Inflation, Zinsen und der Umsetzung des Haushalts ab. Der Regierungsentwurf unterstellt, dass die Quote 2028 noch einmal steigt und ab 2029 sinkt. Diese Entwicklung setzt voraus, dass die geplanten Konsolidierungsmaßnahmen tatsächlich beschlossen werden und die wirtschaftlichen Annahmen tragen.
54 Milliarden Euro Konsolidierungsaufwand
Der Haushaltsentwurf für 2027 sieht einen Konsolidierungsaufwand von 54 Milliarden Euro vor. Davon sollen 43 Milliarden Euro aus konkreten Maßnahmen in den Finanzgesetzen für Staat und Sozialversicherung kommen. Das geht aus der offiziellen Budgetdokumentation hervor. Geplant sind unter anderem Einsparungen in Ministerien und ein langsamerer Anstieg bestimmter Sozialausgaben.
Die Größenordnung zeigt, wie schwierig die Ausgangslage ist. Selbst mit dem gesamten Paket würde das Defizit nur um 0,4 Prozentpunkte des Bruttoinlandsprodukts sinken. Ohne neue Maßnahmen erwartet die Regierung für 2027 dagegen eine Verschlechterung um etwa einen Prozentpunkt. Steigende Zinsausgaben sowie höhere Gesundheits- und Rentenkosten wirken der Konsolidierung entgegen.
Ein Handelsblatt-Bericht beschreibt zusätzlich die politischen Hürden. Die Regierung verfügt demnach nicht über eine stabile eigene Mehrheit. Kürzungen können daher sowohl im Parlament als auch auf der Straße Widerstand auslösen. Die geplanten Einsparungen sind folglich noch kein gesichertes Ergebnis.
Höhere Zinsen engen den Spielraum ein
Der Schuldendienst wird zu einem immer größeren Ausgabenposten. Für 2027 veranschlagt der französische Staat in seiner Haushaltsplanung eine budgetäre Schuldenlast von 71,9 Milliarden Euro. Das wären 10,3 Milliarden Euro mehr als die aktuelle Schätzung für 2026. Ursache sind neben dem wachsenden Schuldenbestand höhere Marktzinsen, die schrittweise auf neu ausgegebene und refinanzierte Anleihen durchschlagen.
Dieser Effekt tritt nicht auf einmal ein. Frankreich finanziert sich über Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten. Alte Papiere mit niedrigen Kupons laufen nach und nach aus und werden zu den dann gültigen Konditionen ersetzt. Eine im Durchschnitt lange Laufzeit dämpft den unmittelbaren Anstieg, verhindert ihn aber nicht.
Für 2027 muss der Staat laut Haushaltsunterlagen ein Defizit von 156,4 Milliarden Euro finanzieren und mittel- bis langfristige Titel von 189,2 Milliarden Euro zurückzahlen. Diese Beträge sind nicht mit der Zinslast gleichzusetzen: Rückzahlungen werden üblicherweise durch neue Anleihen refinanziert. Sie zeigen jedoch, wie regelmäßig Frankreich auf einen funktionierenden Kapitalmarktzugang angewiesen ist.
Was jetzt wichtig wird
Die erste Bewährungsprobe sind die Haushaltsverhandlungen in der Nationalversammlung. Entscheidend ist, ob die Regierung eine Mehrheit oder zumindest eine tragfähige Duldung für die Finanzgesetze findet. Danach müssen die Maßnahmen messbar umgesetzt werden.
Für Anleger und europäische Partner zählen vor allem drei Größen: der tatsächliche Defizitpfad, die Finanzierungskosten bei neuen Anleiheauktionen und das Wirtschaftswachstum. Ein glaubwürdiger Rückgang des Defizits könnte den Schuldentrend bremsen. Verzögerungen oder schwächeres Wachstum würden die ohnehin steigende Quote dagegen weiter nach oben drücken. Die Präsidentschaftswahl 2027 erhöht den Zeitdruck, weil größere Sparschritte politisch schwerer durchsetzbar werden können.