Trade Republic hat im Geschäftsjahr 2024/25 nach einem Bericht über die noch nicht regulär veröffentlichten Abschlüsse 754 Millionen Euro Umsatz erzielt. Der Jahresüberschuss stieg demnach von 34,8 auf 232,6 Millionen Euro. Der Gewinnsprung zeigt die erreichte Größenordnung des Berliner Neobrokers, stammt aber aus einer Zeit, in der ein inzwischen verbotenes Erlösmodell noch zum Geschäft beitrug.

Provisionen treiben das Ergebnis

Die Zahlen gehen aus einem Geschäftsbericht für das Ende September 2025 abgeschlossene Geschäftsjahr hervor, der dem Handelsblatt nach eigenen Angaben vorliegt. Da der Bericht noch nicht regulär im Bundesanzeiger veröffentlicht war, sind die Detailwerte gegenwärtig nur über diese Quelle zugänglich.

Besonders stark entwickelten sich die Provisionserträge. Sie beliefen sich laut Bericht auf rund 733 Millionen Euro und lagen damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Diese Erträge entstehen vor allem rund um Wertpapiergeschäfte. Im Jahresüberschuss waren zudem etwa 20,4 Millionen Euro sonstige Erträge enthalten, unter anderem aus Währungseffekten und der Auflösung von Rückstellungen.

Auch die Kostenseite wuchs. Die Personalkosten verdoppelten sich demnach auf 129,6 Millionen Euro. Die Verwaltungskosten stiegen um 83 Prozent auf 290,6 Millionen Euro, unter anderem wegen höherer Marketingausgaben. Weil die Erlöse schneller zunahmen als die Kosten, verbesserte sich die Aufwand-Ertrag-Quote von 83 auf 62 Prozent. Das bedeutet: Für einen Euro Ertrag fielen rechnerisch 62 Cent Aufwand an.

EU-Verbot verändert das Geschäftsmodell

Ein Teil der Provisionen bestand aus Rückvergütungen für die Weiterleitung von Kundenaufträgen an bestimmte Ausführungsplätze. Trade Republic bezifferte diesen Anteil laut Handelsblatt auf weniger als 20 Prozent der Provisionserträge. Bezogen auf 733 Millionen Euro wären das höchstens 146,6 Millionen Euro. Der genaue Betrag wurde nicht genannt.

Solche Zahlungen werden als Payment for Order Flow bezeichnet. Die EU hat sie verboten, weil der finanzielle Anreiz des Brokers mit der bestmöglichen Ausführung für Kunden kollidieren kann. Die EU-Verordnung 2024/791 untersagt Gebühren, Provisionen oder nicht monetäre Vorteile für die Weiterleitung von Kundenaufträgen an einen bestimmten Ausführungsplatz. Eine Übergangsfrist für bestehende nationale Ausnahmen endete am 30. Juni 2026.

Die Zahlen für 2024/25 bilden daher nicht die heutige regulatorische Lage ab. Umsatz und Gewinn lassen sich ohne Angaben zum Ersatzgeschäft nicht einfach fortschreiben. Entscheidend ist, wie viel Ertrag Trade Republic mit dem neuen Ausführungsmodell, Zinsprodukten, Kryptowerten und privaten Märkten erzielt und welche zusätzlichen Kosten dafür entstehen.

Eigene Handelstechnik soll die Lücke schließen

Seit Juli nutzt Trade Republic eine neue, selbst entwickelte Handelsinfrastruktur. Nach einer Mitteilung des Unternehmens vergleicht ein aggregiertes Orderbuch handelbare Echtzeitkurse an relevanten liquiden Börsen. Aufträge im Bestpreis-Modell werden gegen Trade Republic ausgeführt. Die pauschale Abwicklungsgebühr beträgt weiterhin einen Euro zuzüglich Fremdkosten und Spreads. Kunden können alternativ einen von 30 Handelsplätzen direkt auswählen; dafür nennt das Unternehmen zwei Euro je Auftrag.

Trade Republic verwaltete nach eigenen Angaben Anfang Juli 2026 mehr als 150 Milliarden Euro und war in 18 europäischen Ländern aktiv. Größe und Kundenbasis eröffnen neue Erlösquellen. Zugleich steigen die Anforderungen an Ausführungsqualität, Interessenkonflikte, Technik und Kundenservice. Gerade bei einem Modell, in dem das Institut selbst Gegenpartei wird, bleibt transparente Preisbildung zentral.

Was jetzt wichtig wird

Die nächste belastbare Standortbestimmung liefert der Abschluss für 2025/26. Er muss zeigen, wie profitabel Trade Republic nach dem vollständigen Ende von Payment for Order Flow arbeitet. Beobachter werden dabei auf Provisionen, Zinserträge, Kosten des neuen Handelsmodells und die Entwicklung außerhalb Deutschlands achten. Bis diese Zahlen vorliegen, dokumentiert der Abschluss 2024/25 vor allem den starken Schlusspunkt der alten Erlösstruktur.